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Die Monokultur Kaffee – Biologie und Pflege

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Heute möchte ich euch etwas über den Anbau von Kaffee berichten. Dieser Artikel soll eine Ergänzung zu „Kaffee selber zuhause anbauen“  und „Kaffeebaum ( Coffea arabica ) als Zimmerpflanze“ sein und mehr Hintergrundwissen dem geneigten Leser vermitteln.

Kaffeepflanzen werden entweder durch Aussaat oder durch Stecklinge vermehrt. Geerntet wird zum ersten Mal nach drei bis vier Jahren. Die Coffea-Pflanzen können sogar bis zu zehn Meter groß werden. Sie wird jedoch als Nutzpflanze auf Strauchgröße gehalten, indem man sie im sechsten Lebensjahr auf wenige Zentimeter stutzt. Es gibt zwei Methoden in der die Pflanze arbeitsgerecht angebaut wird. Sie variiert je nach Land, Klima und Varietät, die sogenannte Ein- oder die Mehrstammmethode. Bei der schwierigeren Einstammerziehung werden der Normal- und der stufenförmigen Schnitt angewendet, bei der Mehrstammerziehung der Kandelaber- oder Lyraschnitt. Die Mehrstammerziehung erfolgt durch einfaches Umbiegen und Befestigen mit einem Erdanker, welche auch Agobiado (span. „gebeugt, gekrümmt“) genannt wird. Auch das Setzen von zwei bis sechs Pflanzen in ein gemeinsames Pflanzloch führt zur Mehrstammbildung.

Unsere zwei Kaffeepflanzen von Dehner
Unsere zwei Kaffeepflanzen von Dehner

Der Form- bzw. Produktionsschnitt erhöht die Fruchtbarkeit der Pflanzen, da meist nur die ein- bis dreijährigen Triebe genügend Blüten hervorbringen. Mit diesem Schnitt wird die Pflanze eine Höhe von zwei bis drei Metern nicht übersteigen. So wird ein Plantagenanbau erst möglich. Gut 20 Jahre ist der Kaffeestrauch fruchtbar. Wenn aus dem Hauptstamm jedoch noch weitere neue Stämme wachsen, kann ein Kaffeestrauch als Nutzpflanze noch älter werden. In Kenia gibt es noch ertragsfähige Kaffeesträucher, die schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt worden sind.

Blüte, Reife und Erntezeiten des Kaffees

Die Tropen kennen keinen Jahreszeitenwechsel wie bei uns. Dort ist jeden Tag Sommer, und die Kaffeepflanzen sind immer grün und immer in der Lage, Früchte zu tragen. Die Blütezeit der Kaffeepflanzen richtet sich nach der Häufigkeit der Niederschläge. Zwei Wochen nach jedem Regenfall blüht der Strauch auf. Der Kaffeestrauch bringt also so oft Blüten und Kaffeekirschen hervor, wie es regnet, und nur die Trockenzeit unterbricht diesen natürlichen Zusammenhang.

Anbaugebiete von coffea robusta und arabica
Anbaugebiete von coffea robusta und arabica

In manchen Anbauländern ist die Grenze zwischen Trocken- und Regenzeit klar getrennt. In diesen Ländern gibt es dann nur eine Ernte im Jahr, die sich über mehrere Monate erstreckt. In anderen Kaffeeanbauländern, wie z.B. in Kenia, sind die Klimaperioden nicht deutlich voneinander abgegrenzt, so dass sogar zwei Ernten möglich sind. In Kenia gibt es also eine Haupt- und eine Nebenernte.

Kaffeeblüte auf Bali
Kaffeeblüte | (cc) Flickr von michis0806

Die weißen Blüten sitzen in den Achseln der lederartigen, dunkelgrünen, ca. 8-15 cm langen und 4-6 cm breiten Blätter, die sich immer paarweise auf den rautenförmigen Zweigen gegenüberstehen. Die fünfgliedrige Blüte erinnert in Duft und Form an die des Jasminstrauchs.

Die Blütezeit beträgt nur wenige Tage, und die Blüten sind nur wenige Stunden am Tag empfänglich für die Befruchtung. Zum Glück ist die Coffea arabica als einzige von allen Coffea-Arten ein Selbstbefruchter. Alle anderen, auch die Robusta, sind Fremdbefruchter, und von Bienen und anderen Insekten abhängig. Die Blüteperiode der Coffea ist lang; man unterteilt sie in Vor-, Haupt- und Nachblüte. Eine ausgewachsener Kaffeebaum kann in einer Vegetationsperiode bis zu 40000 Blüten hervorbringen.

Kaffeekirschen eines Kaffeebaumes
Kaffeekirschen eines Kaffeebaumes

Nach der Befruchtung wächst aus dem Fruchtknoten der Blüte eine kirschähnliche, an einem kurzen Stiel hängende grüne Steinfrucht, die schon nach sechs bis zwölf Wochen ihre endgültige Größe von ca. 15 mm erreicht. Bei den Arabica-Pflanzen reifen die Steinfrüchte in sechs bis acht Monaten, bei den Robusta-Pflanzen in neun bis elf Monaten. Während der Reifung verändern sie ihre Farbe: von grün über gelb bis zu einem kräftigen Rot; bei manchen Arabica-Varietäten, wie z.B. Bourbon, sind die reifen Kirschen gelb. Zehn bis vierzehn Tage lang behält die reife Kirsche ihre rote bzw. gelbe Farbe, dann wird sie überreif; die Farbe wechselt zu schwarzbraun; und irgendwann fällt die Kirsche zu Boden. Überreife Kirschen beginnen allmählich zu gären und produzieren dann die bei den Händlern so gefürchteten „Stinkerbohnen“. Um dieses zu verhindern, wird die Kaffeekirsche geerntet, solange sie reif ist.

Schädlingsbekämpfung im Kaffeeanbau

Doch bis dahin muss der Kaffeeanbauer sie vor den Angriffen unterschiedlichster Pflanzenschädlinge bewahren. Es gibt tierischen Schädlinge wie z.B. Nematoden, sie befallen die Wurzeln; Spinnmilben, Blattläuse, Schmierläuse, Schildläuse bedrohen Blätter und Triebe; Wanzen und Schwarze Fliegen können den Blättern, Trieben und Kirschen Schaden zufügen.

Schmierläuse auf der Kaffeepflanze
Schmierläuse auf der Kaffeepflanze

Ich habe gerade bei meinen Pflanzen zuhause ein Schmierläuse Problem und bin regelmäßig dabei meine Kaffeepflanzen von diesen Schädlingen zu befreien.
Der Kaffee-Borkenkäfer nagt an der Rinde, Kaffeekirschenkäfer und Fruchtfliegen mögen die Kaffeekirschen; blattfressende Raupen sind die Kaffee-Miniermotte, der Gemeine Kaffeeschwärmer, der Blattrollende Züns¬ler oder der Giant Looper; die Ameisen schleppen Larven und kleine Läuse von Pflanze zu Pflanze, bauen Nester in die Kaffeesträucher und verkleben deren Äste; die Blattschneideameisen zerlegen die Blätter und nehmen sie mit; und dann gibt es noch die gelegentlichen Überfälle durch Kolonien von Wanderheuschrecken.

Pilzbefall an der Kaffeepflanze
Pilzbefall an der Kaffeepflanze

Dann gibt es noch die Pilzkrankheiten: Der nach wie vor nicht gebannte Kaffeerost (Hemileia vastatrix) lässt die Blätter braun wer¬den, Rhizoctonia solani befällt am liebsten den Pflanzenkeimling und lässt ihn verkümmern; Augenfleckenkrankheit, Schwarzblättrigkeit, Silber¬drahtkrankheit, Maladie rose, die hoch gefürchtete Kaffeekirschenkrankheit (schwarzwerdende Kirschen); Kragenfäule; die Stammkrankheit Stempitting; Blepharospora und die im Jungfeld anzutreffende und schwer zu bekämpfende Erkrankung durch die Gruppe der Fusariumpilze; Stamm-, Zweig-und Keimstielschäden: Bei Rosellina bunodes und Rosellina pepo bleibt nur das vollständige Ausroden und Verbrennen der Kaffeepflanzen übrig, ebenso wie bei der Wurzelfäule (root rot).

Hat man all diese Schädlinge und Krankheiten gemeistert, kann schließlich das, was Schädlinge, Krankheiten und das Wetter übrig gelassen haben geerntet werden. Diese natürlichen Faktoren bestimmen auch die Erntequalität eines Kaffees. Für Kaffeeproduzenten ist das Ernten einer großen Menge reifer Kaffeekirschen ein hoher logistischer und finanzieller Aufwand, denn all die Erntehelfer wollen vernünftig bezahlt werden.

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