kaffee-freun.de > Wissenschaft & Tricks > Kaffeekunde > Barista > Interview mit Kaffeeblogger Arne Preuß

Interview mit Kaffeeblogger Arne Preuß

3
Shares
Pinterest Google+

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten, 52 Sekunden

Arne Preuss in der Küche

Hallo Arne ich kenne Deinen Blog coffeeness.de  schon seit Jahren und schätze ihn sehr. Aber erst vorkurzem habe ich Dich auch persönlich bei dem QBO Event in Berlin kennengelernt. Kannst Du meine Lesern bitte etwas kurz über Dich und Deine Person erzählen?

Moin Moin Sammy, klar! Danke für das Kompliment. Ich lebe in Berlin und komme aus dem Norden. Ich habe in Berlin Sozialwissenschaften studiert. In dem Studiengang werden Politik und Soziologie in einen Mixer geworfen. Aus diesem Mixer bin ich jetzt wieder zu einem Kaffee-Blog zurückgekehrt.

Ich mache viel Sport. Besonders gerne spiele ich Beachvolleyball und dafür gibt es in Berlin alle Möglichkeiten. Das ist das tolle in Berlin, für jedes Hobby gibt es gleich eine große Szene. Insbesondere auch für Baristas und Kaffee. Du kommst ja aus Dresden und dort gibt auch seit langem, mit den Phoenix Coffeeroasters, eine tolle Adresse für Kaffee und Espresso.

Ansonsten versuche ich mich gut zu ernähren, das ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Macht aber auch eine Menge Spaß.

Ich bin verheiratet und wir verdienen „im Internet“ unser Geld. Diese Konstruktion kennen viele sicher nur von unseriösen Emails. Für unsere Planung war es aber immer wichtig ortsunabhängig arbeiten zu können.

Wie und warum bist Du Kaffeeblogger geworden?

Ich habe für eine große Kaffeerösterei gearbeitet und versucht Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen möglichst viel über Kaffee beizubringen. Wegen eines interessanten Jobangebots in Gibraltar habe ich gekündigt. Aber das Thema Kaffee hat mich nicht los gelassen.

Es war eine Befreiung sich schrankenlos mit dem Thema Kaffee beschäftigen zu können, ohne Zwänge eines Unternehmens im Rücken zu haben. Ich war zu dem Zeitpunkt von Menschen umgeben, die alle an Webprojekten arbeiteten. Hauptsächlich im Online Gaming Bereich. Das hat mich inspiriert mit einem Blog über Kaffee zu beginnen.

Zunächst recht planlos. Mit langen Pausen und Blockaden. Dann wieder mit sporadischer Motivation. Meinen ersten Artikel habe ich 2008 veröffentlicht.

Jetzt bin ich seit einem halben Jahr kontinuierlich und vollzeit dabei und es macht viel Spaß.

Bloggst Du Hauptberuflich und kannst davon leben?

Seit 6 Monaten kann ich sagen hauptberuflicher Blogger zu sein. Ich wurde auch gerade das erste Mal mit: „das ist Arne, Arne ist Blogger“ vorgestellt. Das war ein interessantes Erlebnis.

Ich hatte das Glück, nicht von den Einnahmen schon von Beginn an leben zu müssen. Das Wachstum der Seite ist aber erfreulich und geht schneller als geplant. Von daher ist es absehbar, dass es auch möglich sein wird, bald von der Seite zu leben.

Ich wollte nie eine Nischenseite, sondern immer ein breites Thema und ich liebe Kaffee und kenne mich gut mit Kaffee aus.

Ich finde immer das wichtigste ist Begeisterung für ein Thema.

Ich habe nochmal eine Linie zu Instant, Kapseln und Würfeln gezogen. Auf Coffeeness geht es ausschließlich um frischen Bohnenkaffee. Wenn ich was anderes teste, dann nur, um zu illustrieren, warum richtiger Kaffee die bessere Wahl ist.

Zu Themen wie Kaffeevollautomaten, Kaffeemaschinen, Kaffee und Espresso sowie Kaffeemühlen gibt es unzählige Nischenseiten mit erbärmlichen Inhalten. Das kann sicher funktionieren, ist aber weder nachhaltig noch schön. Diese Seiten haben alle eins gemeinsam: kein Wissen über und keine Leidenschaft für guten Kaffee. Und sie finden alle Produkte super toll!

Das wollte ich anders machen. Mein Ziel ist es immer, mit jedem Artikel und Test einen Mehrwert für die Leserin und den Leser zu bieten. Deswegen teste ich alles persönlich, mache viele Fotos und Videos und schreibe lange Testberichte. Das nächste Ziel ist es, den besten Test, den es bisher im deutschsprachigen Raum gibt, zu einem Produkt oder einer Methode der Zubereitung zu schreiben. Ich hoffe, dass gelingt mir hin und wieder.

Was sind Die Hauptthemen Deines Blogs?

Wie gesagt ist es mir wichtig Coffeeness möglichst breit aufzustellen. Zu Beginn meiner Zeit als Kaffee-Blogger habe ich viel über das Schmecken und die Beurteilung von Kaffeebohnen aus meiner Sicht geschrieben.

Mir war es immer wichtig, auch für Laien verständliche Berichte zu schreiben und möglichst viel eigene Meinung einzubringen. Mich persönlich langweilen Texte immer sehr, in denen jede kritische Auseinandersetzung vermieden wird. Ich lehne mich immer gerne weit aus dem Fenster.

Neben den Kaffee- und Espresso-Tests schreibe ich auch immer weiter an einer großen „Knowledge Base“ zum Thema Kaffeewissen und Zubereitungsmethoden. Vom Handfilter über Siebträger bis Kaffeevollautomaten ist eigentlich alles dabei.

Ich habe mit Kaffeemühlentests begonnen und in den letzten Monaten sehr viel Zeit investiert, um auf Coffeeness.de viele Kaffeevollautomaten zu testen.

Ich habe aber auch eine recht freie „Barista-Blog-Kategorie“, in der ich Geschehnisse aus der Welt der Kaffees kommentiere. Ich schreibe gerne Kritiken zu Sendungen im Fernsehen zum Thema Kaffee. Ich versuche immer viel von meinem Blickwinkel einzubringen.

Du weist ja selbst, dass es um die deutsche Kaffee-Blog Community schlecht bestellt ist. In den letzten Jahren habe ich schon so viele Blogs aufblitzen und wieder verschwinden sehen. Für mich wäre mehr Interaktion mit anderen Kaffee-Bloggern echt ein Traum. Ich hoffe es kommen bald wieder ein paar neue dazu und denen wünsche ich ein langes inhaltsvolles Leben. Deswegen war es auch so cool dich kennenzulernen. Du bist ja, mit mir, sozusagen einer der letzten Überlebenden.

 

Bekommst Du öfters Testmuster von Kaffee und Kaffeevollautomaten zugesendet? Wenn ja, welcher Test hat Dir besonders viel Spaß gemacht?

Ich bekomme recht viele Anfragen für Kaffee- und Espresso-Tests. Dabei sind Bohnen, die richtig Spaß machen, es ist aber auch viel Unsinn dabei. Ich habe letztens einen Espresso zum testen bekommen, dessen Röstung 14 Monate her war. Der ist natürlich tot.

Ich habe aber auch oft die Möglichkeit tolle neue Kaffees kennenzulernen. Ich habe gerade von Sonntagmorgen einen „Kolumbien El Zapote Honey“ bekommen. Leider gibt es zu dem noch keinen Test – es ist aber ein toller Kaffee, der übrigens hervorragend zu Kokoswasser passt.

Mit den Kaffeevollautomaten war es am Anfang ein wenig schwierig. Aber mittlerweile bekomme ich, wenn ich sie anfrage, Testgeräte. Wobei die Organisation, Kommunikation und Abholung wirklich viel Zeit und Nerven kostet. Aber ich habe den Anspruch nur Tests zu machen, bei denen ich die Geräte wirklich selbst und ausgiebig getestet habe.

Das ist aufwändig. Für einen Artikel, mit testen und Fotos, brauche ich zwei Arbeitstage. Dann kommt noch ein YouTube Video dazu.

Spaß machen mir eigentlich alle Tests. Schön ist es natürlich, wenn es sich um empfehlenswerte Produkte handelt, wie dem Siemens EQ 6 700 oder der Melitta Caffeo CI.

Bist Du auch in den Social Medias unterwegs?

Auf jeden Fall. Die Facebook Seite von Coffeeness wächst langsam vor sich hin. Twitter nutze ich sporadisch. Was mir viel Spaß macht, ist die neue Instagram-Seite von Coffeeness. Für die kann ich schöne Inhalte nebenbei produzieren. Weil ich ohnehin den ganzen Tag mit fotogenem Kaffee-Equipment hantiere.

Am meisten Zeit investiere ich in den neuen YouTube-Kanal von Coffeeness. Der Macht mir auch richtig Spaß. Bisher ist er recht Vollautomaten-lastig aber das wird sich bald ändern. Ich habe auch gerade ein neues French Press Video veröffentlich. Noch wächst der Kanal sehr langsam, aber ich denke in einem Jahr habe ich mit ihm die kritische Masse durchbrochen.

Welche Kaffees würdest Du einem Filterkaffeetrinker und einem Espressomaschinenbesitzer empfehlen?

Generell gilt, dass immer nur frischer Bohnenkaffee zu gebrauchen ist. Dieser sollte selbst gemahlen werden. Im Idealfall liegt die Röstung bei Espresso ca. 3 Wochen zurück und bei Kaffee ein paar Tage. Er sollte in jedem Fall nicht älter als 3 Monate sein.

Bei Filterkaffee trinke ich sehr gerne helle Röstungen mit vielen fruchtigen Aromen. Das sind aber keine „Anfänger-Kaffees“ und viele Umsteiger von Supermarktkaffee werden diese am Anfang nicht mögen.

Bei Espressos kommt es immer drauf an. Ich mag aber am liebsten Espresso süditalienischer Art. Die wiederum kann ich wunderbar jedem Empfehlen.

Ab einem gewissen Qualitätslevel und einer guten Frische ist es einfach Geschmackssache.

Ich bin selber ein großer Fan von Kaffee aus meiner French Press. Wie bereitest Du Deinen Kaffee am liebsten zu?

Meistens mache ich mir meinen Kaffee am Morgen mit meinem Kupfer-Handfilter von Hario. Der Kaffee hat einen wunderbaren klaren Charakter und ist schnell zubereitet. Die French Press liebe ich auch. Ich habe sie auch in allen Größen. Zum Einsatz kommt sie aber nur noch 1-2 Mal im Monat.

Chemex und Aeropress verwende ich jetzt eigentlich immer häufiger. Gerade mit der Aeropress gibt es wirklich so viele tolle Optionen Einfluss auf den Geschmack zu nehmen. Echt das richtige Gerät für Experimentierfreudige.

Oh und ich bin mittlerweile ein riesen Fan von Cold Brewed und Cold Drip Coffee.

Siebträger und Kaffeevollautomat nutze ich zur Zeit fast nur für Espresso-Tests.

 

Wie würdest Du einen Kaffeeskeptiker seine Vorbehalte entkräften?

Eigentlich bin ich ein großer Freund von Skeptikern. Natürlich nicht von Kaffeeskeptikern.

Für die Menschen, die Bedenken wegen ihrer Gesundheit haben, kann ich nur sagen, dass bei der Ansicht aller großen Metastudien keine schlechten Folgen für die Gesundheit absehbar sind. Und in diesen Studien wird nicht mal die Qualität dieser Kaffees berücksichtigt. Schonend in der Trommel gerösteter Kaffee, der mit Liebe und Leidenschaft ausgelesen wurde, ist natürlich noch viel gesünder als ein Durchschnittskaffee. Für alle, die keinen Wert auf Metastudien legen, versuche ich es mit anekdotischer Evidenz. Ich trinke 2 Liter Kaffee am Tag, seit Jahren und bei meinem letzten großen Blutbild beglückwünschte mich meine Ärztin zu meinen Werten.

Für alle, die keinen Kaffee mögen – oder das glauben: Könnte es sein, dass ihr noch nie guten Kaffee getrunken habt? Stellt euch vor, ihr würdet Weißwein nur aus Tetrapacks aus dem Discounter kennen. Ihr würdet wahrscheinlich keinen Weißwein mögen.

Viele Leute kennen nur Supermarktkaffee. Wer einen frischen Kaffee aus einer guten Rösterei probiert hat, der gut zubereitet wurde und Kaffee immer noch nicht mag… der Mag eventuell wirklich keinen Kaffee. Aber ich denke, das wäre ein seltener Fall!

 

 

 

 

 

 

Vorheriger Artikel

Neu: Tchibo Kaffeebohnen mit Drehverschluss

Nächster Artikel

Die besten Spiele für die Kaffeepause

2 Kommentare

  1. 15. April 2016 um 20:27

    Tolles Interview! Ich bewundere Arnes Geduld mit Kaffeeskeptikern – ich bin selber leidenschaftlicher Kaffeetrinker und immer auf der Suche nach neuen Infos (danke auch für diesen Blog Sammy). Aber ich habe es mittlerweile aufgegeben Leuten interessante Studien zu zeigen, dass Kaffee nicht gesundheitsschädlich ist.

    Liebe Grüße,
    Mauri

  2. 16. April 2016 um 18:22

    Bis ich 25 Jahre alt war, habe ich keinen Kaffee getunken. Ich dachte der schmeckt halt bitter, sauer und pelzig, wie ich ihn aus einer klassischen Filterkaffemaschine mit Supermarktkaffee kannte.
    Dann war ich bei einem Kaffee Seminar von Arne! Er hat mir damals, vor schon ca. 12 Jahren gezeigt, wie Kaffee auch schmecken kann. Und nebenbei viel über Anbei, Röstung und „Perfect Pairings“ beigebracht. Seitdem trinke ich leidenschaftlich gerne Kaffee aus French Press, Handfilter, Aero Press oder auf Reisen auch mal als Cowboy Kaffee.
    Danke Arne