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Interview mit den Machern von Kaffeeprojekt.de

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Diese Woche möchten wir euch ein Interview mit den Machern von kaffeeprojekt.de vorstellen. Andreas Mose betrieb den Onlineshop zu erst allein. Jetzt ist seine Schwester Katarina Mose mit ins Kaffee-Business eingestiegen und betreibt den neuen Kaffee-Onlineshop, der sich auf den Verkauf des Edelkaffees Jamaica Blue Mountain spezialisiert hat mit ihn zusammen.

Wir haben den Jamaica Blue Mountain Kaffee vor gut zwei Wochen testen dürfen und ihn für sehr gut befunden. Nun möchten wir etwas mehr über die Macher dieses außergewöhnlichen Kaffeeprojektes erfahren und habe sie befragt.

Andreas Mose und sein Kaffeeprojekt
Foto: Andreas Mose sitzt auf Jamaica Blue Mountain Fässern

Kaffee-Freunde: Wer ist Andreas Mose?

Andreas Mose: Also zuerst die harten Fakten: Ich bin 30 Jahre alt, Wohnhaft in München und Absolvent der FH Ingolstadt. Studiert habe ich internationales Handelsmanagement und nun bin ich seit zweieinhalb Jahren in der Versicherungsbranche tätig. Außerdem bin ich ein Desillusionierter, der einen seinem Handeln einen tieferen Sinn geben möchte als bloß Geld zu verdienen.

Kaffee-Freunde: Im Moment sind Sie ja noch im Nebenberuf selbstständig, wann glauben Sie wird aus ihren Nebenberuf, ein Hauptberuf?

Andreas Mose: Das lässt sich noch nicht vorhersagen, aber ich habe auch keine besondere Eile. Das ganze Konzept ist ja so ausgelegt, dass das Kaffeeprojekt bequem nebenbei betrieben werden kann. Währenddessen schaue ich nach
Möglichkeiten mich (haupt)beruflich zu verändern, da ich nicht länger in einem Konzern arbeiten möchte.

Katarina Mose
Foto: Katarina Mose

Kaffee-Freunde: Wer ist Katarina Mose?

Katarina Mose: 1997 habe ich an der Universität Mainz mein Studium zur Diplom-Übersetzerin (Englisch/Französisch mit Schwerpunkt Recht) abgeschlossen. Danach folgten Stationen an einem Völkerrechtslehrstuhl, bei einem Headhunter und einem IT-Dienstleister, bevor ich drei Jahre lang selbständig als teacher-trainer arbeitete – hier habe ich erstmals B2B-Vertrieb für meine eigenen Projekte gemacht. Danach ging es zurück in die IT, und zwar in den Vertrieb: Erst als Key Account Manager bei einem britischen IT-Recruiter, dann als Teamleiterin IT bei einem Münchener Engineering- und IT-Dienstleister, wo ich Softwareentwicklungsprojekte akquiriert und ein Team aufgebaut habe. Derzeit bin ich im internationalen Vertrieb eines bayerischen Feinpapierherstellers tätig. Ich bin 40 Jahre alt und wohne mit Mann und zwei Kindern in München
Das Kaffeeprojekt ist für mich- genauso wie für Andi – eine Herzensangelegenheit, da wir hier die Möglichkeit haben, ein wunderbares Produkt mithilfe eines eleganten und sehr schlanken Geschäftsmodells für einen breiteren Kundenkreis erschwinglich zu machen.

Kaffee-Freunde: Wie sind Sie auf die Idee gekommen Jamaica Blue Mountain Kaffee zu verkaufen?

Andreas Mose: Dafür ist Prof. Faltin und sein Buch “Kopf schlägt Kapital” verantwortlich. Ich hatte es damals, im April 2010, an einem Nachmittag regelrecht verschlungen und es löste bei mir eine Art Initialzündung aus. Schlagartig wurde mir klar “jeder kann eine Firma gründen”. Bis dato hatte ich noch nie groß über Unternehmertum oder Entrepreneurship nachgedacht. Jedenfalls war ich von seiner Teekampagne begeistert – Sie war so schlicht, elegant und effizient. Ich überlegte schon während des Lesens, warum es das noch nicht für Kaffee gibt. Ich fing an Recherchen anzustellen und merkte schnell, dass es sich für Kaffee vom Prinzip her zumindest umsetzen lassen würde, auch wenn Kaffee nicht so lange haltbar ist wie Tee. Damit stand fest: Ich will das machen.

Kaffee-Freunde: Welche Hürden mussten Sie meistern?

Andreas Mose: Anfangs scheiterte die Idee daran, dass ich keinen Kontakt zu den Plantagen in Jamaika herstellen konnte. Und wenn doch, waren sie nicht bereit das Kaffeeprojekt zu beliefern. Ich wandte mich dann eine Zeit lang anderen Ideen zu, bis ich Anfang 2011 nochmal mein Glück in Jamaika probierte. Und siehe da: Ich fand einen Plantagenbesitzer, der bereit war mich mit Jamaica Blue Mountain Kaffee zu versorgen. Von da an konnte es mir gar nicht schnell genug gehen, aber es dauerte dann doch noch acht Monate, bevor ich endlich online gehen konnte . Zwischendrin musste ich das Registrierungsverfahren aber noch hinter mich bringen und mein Etikett genehmigen lassen. Das war ziemlich zeitaufwändig, da ich zwischen meiner Designerin und dem Coffee Industry Board immer die Änderungen kommunizieren und weiterleiten musste, bis das Etikett akzeptiert wurde.

Kaffee-Freunde: Wieso ist der sonst so teuere Jamaica Blue Mountain Kaffee so günstig bei ihnen?

Andreas Mose: Ganz einfach – wir besorgen uns den Jamaica Blue Mountain an der Quelle. Die Umgehung von Zwischenhändlern allein sichert uns schon einen erheblichen Preisvorteil. Ansonsten benutze wir für fast alles professionelle Dienstleister, die sich z.B. um den Zoll kümmern. Dadurch vermeiden wir viele Fixkosten – d.h. beim Kaffeeprojekt fallen fast nur dann Kosten an, wenn jemand auch bestellt. Wir müssen z.B. keine Miete und keine Angestellten bezahlen, was immer die größten Kostenblöcke sind und eben auch dann anfallen, wenn mal nichts verkauft wird.

Besonders glücklich bin ich übrigens, Thomas Eckel, von der Murnauer Kaffeerösterei, als Kooperationspartner an der Seite des Kaffeeprojekts zu haben. Er hat sich bereit erklärt, den Kaffee für uns zu rösten und ist ein außerordentliches Asset. Nicht nur, dass seine Hilfsbereitschaft bemerkenswert ist, er versteht auch was von seinem Fach. Er ist Chef-Diplom-Kaffeesommelier, Cup-of-Excellence-Jurymitglied und darüber hinaus der einzige Q Grader Deutschlands. Ein Q Grader ist dazu ausgebildet, das international verbindliche System zur Qualitätseinstufung von Rohkaffee anzuwenden und muss die wohl strengste existierende Prüfung in Sachen Kaffee absolvieren. Er muss z.B ein besonders feines Geruchsempfinden haben, um die feinen Ausprägungen und Geschmacksabstufungen von Kaffeesorten und deren Zusammenspiel zu erkennen. Darüber hinaus muss er besondere Kompetenz aufweisen, wenn es um das Rösten und Mahlen geht. Thomas ist also derjenige, der die hohe Qualität unserer Bohne durch das Rösten hindurch bewahrt und das beste aus dem Jamaica Blue Mountain herausholt.

Kaffee-Freunde: Wie entwickelt sich Ihr Geschäft?

Andreas Mose: Es läuft bislang recht gut, insbesondere wenn man bedenkt, dass nur wenige von uns wissen. Seit dem 10.09.2011 ist aber jetzt meine Schwester mit an Bord beim Kaffeeprojekt und wir arbeiten daran, etwas mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen, damit noch mehr von unserer Zielgruppe auch von uns erfahren. Katarina hat acht Jahre Erfahrung im Vertrieb bei Konzernkunden als auch Mittelständlern und wird deshalb auch beim Kaffeeprojekt den Bereich Vertrieb verantworten und gewerbliche Kunden akquirieren. Wir sind schon sehr gespannt, wie es sich entwickelt während wir auf die Weihnachtszeit zugeht.

Katarina Mose: Andis Konzept hat mir von Anfang an gefallen. Außerdem ist es für uns gewissermaßen eine Rückkehr zu den Wurzeln – unsere Großeltern waren Kaffeebauern im Hochland von Tansania.

Kaffee-Freunde: Man sollte ja annehmen, dass bei diesem Preis viele Händler bei Ihnen einkaufen, um den Luxus-Kaffee dann teurer weiter zu verkaufen, oder wie ist das? Immerhin unterbieten Sie den regulären Preis um mehr als die Hälfte.

Andreas Mose: Es gab den einen oder anderen Interessenten, aber unser Ziel ist es nicht Wiederverkäufer zu beliefern. Uns ist es daran gelegen den Endkunden einen Spitzenkaffee zu einem fairen Preis zu ermöglichen. Gewerbliche Kunden werden wir zwar auch bedienen, aber nur wenn der Kaffee von dort aus in den Ausschank geht und nicht weiterverkauft wird. Mann muss man bedenken, dass Jamaica Blue Mountain trotz Direktimport und allem immer noch recht teuer ist. D.h. es existiert nur eine recht kleine Zielgruppe, die diesen Kaffee regelmäßig kaufen möchte. Und diese ist über alle Bundesländer verstreut. Ein örtlicher Händler oder Röster kann ihn zwar im Sortiment führen, aber er wird niemals die Nachfrage auf sich bündeln können, wenn er nicht online geht und die räumlichen Distanzen der Zielgruppe überwindet. Und selbst dann gibt es Kaffeesorten, die sich einfacher verkaufen lassen. D.h. er wird in jedem Fall nur geringe Mengen absetzen können und nicht viel daran verdienen. Deshalb haben auch nur wenige Interesse signalisiert, was uns ganz gut passt.

Katarina Mose: Die gewerblichen Kunden möchten wir uns außerdem aussuchen: Neben den Privatkunden werden wir bei einigen ausgewählten Gastronomiepartnern unseren Kaffee zum Ausschank bereitstellen. Wer das sein wird, steht noch nicht endgültig fest, aber es werden eher mittelständische Unternehmen sein, die unsere Werte teilen.

Kaffee-Freunde: Gibt es eine Obergrenze, die ich als Privatmann bei Ihnen kaufen kann?

Andreas Mose: Noch nicht. Sollte jemand aber anfangen wöchentlich fünf Kilogramm zu bestellen, würden wir skeptisch werden .

Kaffee-Freunde: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft für Kaffeeprojekt.de? Es gibt ja noch weitere Luxus-Kaffees auf der Welt, die nach günstigeren Preisen gerade zu schreien. Hawaii Kona oder St. Helena Kaffee fallen mir dabei spontan ein.

Andreas Mose: Pläne und Ideen haben wir jede Menge. Die Frage ist nur welche sind tatsächlich sinnvoll und welche nicht? Wir haben uns ja dem Prinzip Nutzenmaximierung vor Gewinnmaximierung verschrieben und deshalb gilt es herauszufinden womit wir unseren Kunden einen möglichst hohen Nutzen bieten können. Natürlich möchten wir Geld verdienen, aber das soll nur die Konsequenz und niemals Zweck unseres Handelns sein. Ich habe jetzt für zwei Konzerne tätig sein dürfen – keiner von Ihnen hat das Prinzip beherzigt und war immer auf den Gewinn aus. Die Daseinsberechtigung einer Firma liegt aber nicht im Gewinn, sondern in Ihren Kunden. Was ich damit sagen will: Im Augenblick sind wir einfach froh erfolgreich auf den Markt gekommen zu sein, und hoffen, dass unser Angebot weiterhin so positiv angenommen wird. Sollten wir feststellen, dass wir unseren Kunden mit weiteren Produkten und/oder Dienstleistungen einen ähnlich hohen Nutzen bieten können, werden wir das Geschäftsmodell weiterentwickeln. Wenn aber nicht, dann eben nicht. Die Teekampagne hat sich letztlich in den letzten 25 Jahren auch nur wenig verändert und ist bei ihren Kunden immer noch die Nr. 1.

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