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Interview mit Andreas „Pingo“ Felsen von der Quijote-Kaffee

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Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 54 Sekunden

In diesem Interview mit Andreas Felsen auch Bekannt als „Pingo“ und Gründer von Quijote-Kaffee, möchten wir unseren Blick jenseits der Mainstreams Röstereien und Kaffeehändler erweitern. Im November 2010 hat Quijote-Kaffee offiziell eröffnet. Es ist also noch eine ganz neue Rösterei, die sich vor allem um Rohkaffee aus kleinen Genossenschaften bemüht.

Kaffee-Freunde: Bitte erzählt doch mal etwas über dich. Was hast Du vorher
gemacht, und wie bist Du zur Kaffeerösterei gekommen?

Andreas Felsen aka Pingo
Foto Andreas Felsen aka Pingo | (c) Lars Krüger, www.lumivere.com

Pingo: Ich komme aus dem Solidarischen Kaffeehandel und habe seit 1999 als Mitglied von Café Libertad Kaffee aus Mexico (Chiapas), Costa Rica und Honduras importiert.
Davor war ich Buchhändler. Da ich mich sehr für Lebensmittel interessiere (ich habe z.B. eigenen Wein gemacht, viel destilliert, Bierbrauen und autodidaktisch Kochen gelernt und 2 Jahre ein illegales Restaurant betrieben), lag es nahe, mich über den Import hinaus auch mit dem Rösten zu beschäftigen. Dies tue ich inzwischen auch seit 8 Jahren und tausche mich sehr intensiv und regelmäßig mit Kollegen aus ganz Europa aus.

Kaffee-Freunde: Auf eurer Website steht, dass ihr eure Rohkaffees ausschließlich im direkten Handel, bevorzugt von basisdemokratischen kleinbäuerlichen
Kooperativen bezieht. Warum beschränkt ihr euch nur auf solche Anbieter?

Pingo: Wir sind die erste Rösterei in Deutschland, welche konsequent ausschließlich direkt importierte Kaffees röstet. Damit setzen wir ebenso Maßstäbe wie durch unsere Transparenz in Bezug auf Preise, Kalkulationen, Rezepte und Röstparameter. All das ist bei uns öffentlich.
Neben der hohen Qualität und der Transparenz unseres Handelns sind uns demokratische und gerechte Strukturen sowie ein partnerschaftliche Zusammenarbeit wichtig. Diese sind in erster Linie durch Kooperativen zu erreichen. „Das Land denen, die es bebauen“ ist in meinen Augen eine sehr gute Sache und entspricht meiner Weltanschauung.

Kaffee-Freunde: Was hat man sich unter einer basisdemokratischen kleinbäuerlichen
Kooperative vorzustellen?

Pingo: Das sind in unseren Fällen meist die Produzenten, die früher den „Fairen Handel“ beliefert haben und sich nun qualitativ weiterentwickeln wollen. Zumeist handelt es sich um Zusammenschlüsse von Bauern, die in ihren diversifizierten Gärten von 0,5 bis 3 Hektar Kaffee anbauen

Kaffee-Freunde: Worauf sollte man beim Kauf von Rohkaffee besonders achten?

Pingo: Auf die Qualität. Dafür sind Erfahrung und sensorische Fähigkeiten notwendig. Und darauf mit seriösen Leuten zu tun zu haben 😉

Kaffee-Freunde: Ist eurer Kaffee durch bestimmte Nachhaltigkeits-Siegel, wie z.B.
Tairtrade oder Rainforest Alliance, zertifiziert?

Pingo: Alle durch uns importierte und gerösteten Kaffees entsprechen mindestens den Kriterien des Fairen Handels laut FTO (Mindestpreis, Kooperativenstruktur, Vorfinanzierung usw.), alle Kaffees werden ohne den Einsatz von chemischen Düngern, Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden angebaut. Bis auf den Kaffee aus Brasilien (die Farmer machen eine Selbstkontrolle) sind die Kaffees im Ursprung auch zertifiziert. Wir selber verzichten allerdings sowohl auf die Fairtrade- als auch auf die Biosiegel. Sie sind uns in der Bürokratie zu aufwendig. Außerdem haben wir genug Kunden, die uns auch ohne Bestätigung von dritter Seite vertrauen.

Kaffee-Freunde: Was haltet ihr von solchen Siegeln?

Pingo: Wir halten diese Siegel für ein gutes Marketinginstrument für Industriekaffees. Auch in Supermärkten haben diese Siegel sicher ihre Berechtigung um zu garantieren, dass wenigsten (die für uns selbstverständlichen) sehr niedrigschwelligen Mindeststandards dieser Siegel eingehalten werden. Für gute und seriöse Röstereien, die sowieso viel mit ihren Kunden kommunizieren, sind diese Siegel meiner Meinung nach aufgrund der aufwendigen Bürokratie und des Verlustes ihres Ansehens durch massiven Gebrauch bei Industriekaffees nicht mehr interessant. Viel wichtiger ist es transparent und nachvollziehbar zu arbeiten. Daher empfehle ich allen Kollegen, ihre Kunden möglichst offen und ehrlich zu informieren. Wer gut arbeitet muss gar nichts verstecken.

Kaffee-Freunde: Wie steht ihr zur Kaffeesteuer, findet ihr sie zeitgemäß und transparent?

Pingo: Nein, die Kaffeesteuer ist weder zeitgemäß noch transparent. Kaum ein Verbraucher kennt sie überhaupt.

Kaffee-Freunde: Zu guter letzt, welchen Kaffee empfiehlt ihr unseren Lesern?

Pingo: Wir empfehlen solchen Kaffee zu kaufen, der individuell möglichst gut schmeckt und über den der Röster möglichst viele Informationen zur Verfügung stellt:

  • Herkunft (genauer Produzent, Region)
  • Aufbereitung (natural, honey processed, washed, pulped natural usw.)
  • Aromen der spezifischen Kaffeebohnen, die sich wiederfinden sollten
  • Röstdatum
  • botanische Varietät
  • Zusammensetzung im Falle eines Blends
  • Anbauhöhe
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