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Der besondere Charme der Kaffee-Kultur Österreichs

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Kaffee-Kultur in Österreich
Foto: Kaffee-Kultur in Österreich von Pixabay

Ein bisschen ähneln die Österreicher den Engländern, zumindest in dieser einen Sache: kein Tag darf ohne Heißgetränke vergehen, genossen in regelmäßigem Abstand, doch immer mit einer guten Portion inneren Ruhe. Bei dem Einen ist es der Tee, der die Herzen und Mägen erobert hat, bei dem Anderen der Kaffee: ein Bummel durch die charmanten Kaffeehäuser unserer südlichen Nachbarn.

Beim Kaffee geht es ganz und gar nicht nur darum, den Durst zu stillen: das lässt sich am besten an diesen urgemütlichen Orten erleben, an denen die Österreicher sich seit Urzeiten gemütlich niederlassen, um ihr Lieblingsgetränk zu genießen. Die historische Kaffeehaustradition hat sich bis heute erhalten, nicht nur in Wien, doch dort vor allem. Als im Jahr 1685 das erste Café seiner Art in der Hauptstadt eröffnete, läutete dies eine jahrhundertelange Epoche ein, die wahrscheinlich niemals ein Ende nehmen wird. Leider ist dieser höchst historische Ort heute nicht mehr zu besichtigen, das Café Frauenhuber aus dem Jahr 1824 darf sich heute das älteste noch erhaltene Kaffeehaus Wiens nennen. In diesen geschichtsträchtigen vier Wänden nahm bereits Wolfgang Amadeus Mozart Platz, und Ludwig van Beethoven sorgte einst für eine angemessene musikalische Unterhaltung.

Und dann wären da noch die typischen Künstlercafés, die berühmten Autoren wie Egon Erwin Kisch und Arthur Schnitzler eine Art zweites Zuhause boten. Neben den schmackhaften Kaffeespezialitäten wurden sie sicher auch von der angenehmen Geselligkeit und dem zur Verfügung stehenden Telefon angelockt, Letzteres galt in der Vergangenheit als besonderer Service der Kaffeehäuser, denn daheim verfügte zu jenen Zeiten kaum jemand über einen entsprechenden Apparat. Das Café Central, angesiedelt im prunkvollen Palais Ferstel, gilt noch heute als wahrer Künstlerhort, auch das Café Hawelka in der Dorotheergasse genießt einen entsprechenden Ruf. Es stammt aus dem Jahr 1939 und zog spätestens seit 1955 Scharen von Kritikern und Schriftstellern auch aus anderen Ländern Europas an. Als besondere Spezialität gelten die von Josefine Hawelka eingeführten böhmischen Buchteln: duftende Rohrnudeln, die heute von ihren Enkeln kredenzt werden.

Café Hawelka in Wien
Foto: Café Hawelka in Wien | Quelle: von Flickr-User Yusuke Kawasaki

Über die vielen weiteren Leckereien, die den Kaffeegenuss noch ein gutes Stück versüßen, ließe sich lange fabulieren. Eine bessere Idee besteht darin, einfach nach Wien zu fahren und sich gezielt durch die Speisekarte eines traditionellen Kaffeehauses zu schlemmen, denn durch Lesen wird schließlich niemand satt! Auf der Gourmet-Liste sollte zu diesem Anlass auch das Wiener Casino-Café vermerkt sein, denn hier begrüßt den Gast eine außergewöhnlich reichhaltige Kaffeekarte mit den feinsten Spezialitäten, die die braune Bohne hergibt. Ein schöner Nebeneffekt: Der Wachmacher hält beim anschließenden Spiel den Kopf klar, angefangen bei der nötigen Konzentration auf die vielen speziellen Begrifflichkeiten und Redewendungen bis hin zur Fokussierung auf die persönliche Strategie. Zu diesem Zweck besonders empfehlenswert wäre ein sogenannter »Einspänner«, ein pechschwarzer Kaffee im Glas mit Schlagobershaube. Auch der »Fiaker«, in Maßen genossen, wirkt als Hallo-Wach-Getränk: Er besteht aus einem Espresso mit einem guten Schuss Cognac oder Rum, auch hier darf die Sahne nicht fehlen. Wer das heiße Aufputschmittel in der süßen Variante bevorzugt, bestellt sich eine »Melange«, die zur einen Hälfte aus Espresso und zur anderen aus Milch und viel Milchschaum besteht.

In Salzburg floriert seit mehr als 150 Jahren das Café Tomaselli direkt am Alten Markt, mitten in der malerischen Altstadt. Die Kuchendame trägt hier noch immer ihre weiße Rüschenschürze, ganz wie in alten Zeiten. Und der Ober besticht in seinem Smoking mit Fliege durch erlesene Eleganz, denn hier heißt es nicht nur »Mal schnell einen Kaffee kippen«, sondern: »Hinsetzen und nach Herzenslust genießen.« Dies gilt eben nicht nur für den Gaumen, sondern auch für die Optik. Wer sich bei den Tomasellis niederlässt, der tritt in die Fußstapfen von großen Intellektuellen und Literaten wie Peter Rosei, Karl-Heinrich Waggerl und Thomas Bernhard, die an genau diesen hübsch gedeckten Tischen ihre Gespräche führten, sich in stundenlanges Schachspiel vertieften oder gemütlich ihre Tageszeitung lasen.

Und schauen wir doch mal in Richtung Oberösterreich, in die schöne Stadt Linz, denn auch dort hat sich mindestens eines dieser traditionellen Cafés nach alter Wiener Manier erhalten. Das Kaffeehaus Traxlmayr dient noch heute als Veranstaltungsort für Konzerte und Autorenlesungen und hält stets immer einen Stapel druckfrischer Tageszeitungen bereit. Die meisten Gäste würden bei diesem Angebot sicher gar nicht erst auf die Idee kommen, ihr Smartphone hervorzuholen und im Internet zu surfen, das käme schlichtweg einem schnöden Stilbruch gleich.

Salzburg Café Tomaselli
Foto: Salzburg Café Tomaselli | Bild von Wikipedia

Ist es nicht genau das, was uns heute vielerorts fehlt: diese entspannte Atmosphäre, das genussvolle Herumsitzen, Plaudern und Genießen – ganz ohne Zeitdruck oder schlechtes Gewissen? Im Kaffeehaus schmeckt der Kaffee nicht ohne Grund doppelt so gut, das liegt zum großen Teil an diesem behaglichen Flair, das dazu einlädt, ganz tief einzutauchen und die Zeit zu vergessen. Und – natürlich – auch am österreichischen Kaffee!

 

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